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Autor: Thomas

Dänische Verhältnisse …

Dänische Verhältnisse …

… mitten in Italien? Naja, wenn man sich das Foto nicht ganz genau anschaut und die Beiträge der letzten Tage ignoriert … man könnte meinen …

Tatsächlich stehen wir hier nahe Vada, auf halben Weg zwischen Piombino und Livorno, keine 30 Meter vom Ufer entfernt, direkt am Strand, nur getrennt von einer mittelhohen Düne.

Der Platz ist herrlich einfach. Keine Animation, kein Pool, kein Tamtam … okay, Klopapier und -brillen… geschenkt. Dafür prima Pizza, eine kleine Bar mit netten Leuten und ein kleiner Shop mit dem nötigsten. Und der Strand: naturbelassen. Aber feinster Sand und viel Platz. So mögen wir das.

Dänische Verhältnisse also? Nein, nicht ganz. Man steht relativ eng. WLAN ist nichtmal Glückssache und die Verwaltung … wohlwollend könnte man es sympathisch anarchisch nennen. Außerdem gibt’s im Norden keine nervigen Sonnenbrillen-, Handtücher- oder sonstigen Unrat-Verkäufer. „No means no“ – für manchen nur mit deutlicher Körpersprache verständlich.

Dafür gibt’s im Norden keine Zikaden. Es duftet nie nach Pinien und überhaupt: la dolce Vita, es hat schon was.

Der Weg nach Norden macht uns Sorgen. Regen, soweit die Wetterkarte reicht – sowohl zeitlich als auch räumlich. Aber länger hier bleiben und am Ende auf einen Rutsch durchfahren wie so viele andere? Es sind halt doch knapp 1.000 km. In den Ferien. Ich glaube nicht, dass das sein muss. Andererseits, zwei Nächte im Regen … Es läuft auf eine Mehrheitsentscheidung am Mittwoch-Vormittag hinaus.

The road to Montepulciano

The road to Montepulciano

Ja, die gibt’s wirklich. Und zwar von Castiglione del Lago aus, gelegen am Lago Trasimeno in Umbrien, nahe Perugia.

Was? Den See kennt man nicht? Nein, nicht wirklich. Zwar der größte See der Apenninhalbinsel und der viertgrößte Italiens – aber zumindest uns bis gerade eben völlig unbekannt. Auch nur höchstens sechs bis sieben Meter tief und leider auch schon kurz vorm umkippen, wenn er nicht vorher schon versandet.

Auf dem Weg von der Adria her kam uns Perugia in die Quere, wo sie sich gerne mit Fahrrädern die steilen Treppen runter stürzen. Wir sind Sonntag Vormittag mitten in einen Wettkampf geraten. Wahnsinnige. Aber scheint Spaß zu machen.

Perugia selbst ist so ganz anders als viele italienische Städtchen: kein Museum, Leben drin, kein Gestank, keine Hektik – nicht mal Autos. Perugia war die erste Stadt Italiens, die den Autoverkehr komplett aus dem Stadtkern verbannt hat. Wofür man heute Stadtplaner für ihre innovative Idee feiert, nannte man es damals einfach Fußgängerzone.

Zurück zu besagter Straße. Die startet hier am Ufer des bereits erwähnten Sees, in Castiglione del Lago (übrigens ein weiteres italienisches Museums-Dörfchen) und führt uns eben dorthin, nach Montepulciano.

Der Plan ist, dort eine Flasche des bekannten schweren Roten zu erstehen um nachher am Meer auf den Geburtstag eines der Busgetiere anzustoßen.

Schon Luxus, öfter mal im Urlaub Geburtstag zu haben.

Gefunden!

Gefunden!

Nicht, dass wir irgendwas oder -wen gesucht oder gar vermisst hätten. Aber gewundert haben wir uns schon, wo die ganzen Urlauber geblieben sind.

In Österreich, am Lido di Cavallino, bei Ravenna oder in San Marino waren wir ja praktisch alleine. Aber hier, in Sirolo, bissl südlich von Ancona, da sind sie nun alle. Erwischt. Verstecken zwecklos.

Haben gestern scheinbar echt noch Glück gehabt und den letzten freien Platz, auch noch zweite Reihe mit Meerblick, ergattert.

Hier ist es im Grunde ganz nett. Kleiner gemütlicher Platz in der Klippe, nach 50 horizontalen und knapp 100 vertikalen Metern ist man an schönen Kiesel-Strand, klares Wasser, milde Temperaturen … aber irgendwas funktioniert nicht.

Sind wir enttäuscht? Sind wir mittlerweile so verwöhnt und anspruchsvoll? Echt nett hier. Aber der Weg lohnt nicht.

Okay, wäre natürlich dumm, von einem Platz auf die ganze Region zu schließen. Aber zum Beispiel Elba bietet auf kleinerem Raum größere Vielfalt und irgendwie mehr Urlaubs-Feeling.

Womöglich ist es echt unser Anspruch.

Morgen weiter bzw. rüber ins Landesinnere und anschließend Richtung Westküste. Mal schauen, ob uns das mehr entspricht.

Die drei Türme

Die drei Türme

Nein, kein Ring um sie zu knechten. Bei Tolkien waren es auch nur zwei Türme. San Marino hingehen leistet sich drei davon.

Eigentlich war der Zwerg-Staat gar nicht auf unserer Liste – aber auf dem Weg. Irgendwie, also praktisch im Weg.

Ein netter Zufall. Mit nettem Platz, nettem Restaurant und eben netter kleiner Altstadt auf dem Monte Titane. Immerhin älteste Republik der Welt. Nie überfallen oder gar erobert, seit Jahrhunderten unabhängig – wenn wundert‘s, was will man schon auf den öden Felsen?

Wie gesagt, nette Altstadt mit vielen kleinen Läden und Restaurants. Bissl Freilandmuseum und Folklore… aber was willst auch machen mit dem öden Felsen mit altem Gemäuer drauf.

Wir waren überrascht. Tolle Aussicht bis aufs Meer und das Umland. Uns hat’s gefallen. Aber mehr als einen Tag gibt’s nicht her.

Apperitivo?

Apperitivo?

Okay, Ravenna, Dante rauf und runter … irgendwas läuft hier falsch an der Küste. Möglicherweise haben wir bloß Pech gehabt. Trotzdem: Campingplätze bieten eigentlich immer (immer!) auch Stellplätze an. „Ihr wollt hier mit dem Bus bleiben? Nein, das geht nicht. Auf diesem Campingplatz gib es nur Bungalows.“

Also noch ein Stück die Küste runter und am „Lido di Dante“ gelandet. Camping Village Ramazzotti“. Der Platz hat im Grunde Potenzial (und ein echt tolles Restaurant mit großartiger Pizzeria). Auch hier: trotzdem! Die Betonmauer mit Sichtschutz und Stacheldraht obendrauf, zwischen Platz und Strand erschließt sich uns nicht ganz.

Irgendwie kommt man sich vor wie in der Zombie-Apokalypse. Es ist auch kaum was los hier. Außer uns vielleicht noch zehn andere Camper auf einem vom letzten Unwetter doch sehr gezeichneten Platz … naja, eine Nacht geht schon. Die Pizza war klasse und das Bier auch.

Morgen weiter gen Süden. San Marino, Peruggia, Ancona …

Einsame Spitze?

Einsame Spitze?

Zwei Tage Sonne, Strand und Sand. Cavallino. Hat schon ein paarmal funktioniert, hat es auch diesmal: Entschleunigung und Entspannung.

Wie schon öfter erwähnt, findet der geneigte Urlauber hier vertrautes Terrain. Nix dagegen zu sagen. Genau deswegen verschlägt es uns ja auch hin und wieder her.

Wieder erwarten ist hier aber diesmal kaum was los. Ende Mai, Pfingsten, Wetter passt auch … wir rätseln schon, was wir verpasst haben.

Vielleicht ist es auch einfach zu teuer? Für inzwischen drei erwachsene Busgetiere 95€ die macht. Im Mai. Und nicht mal WLAN dabei?

Der Platz ist grad zum Drittel voll. Unwohnlich. Ist der Camping-Boom jetzt schon vorbei?

Nicht, dass es uns stören würde, im Gegenteil. Aber bemerkenswert. Am Brenner und auf der Autobahn bis Trento noch klaustrophobische Enge und jetzt … die können doch nicht alle am Gardasee sein. Rekord-Stau auch in den Tauern. Richtung Kroatien.

Naja, das erleichtert uns die Entscheidung: morgen weiter die Adria runter Richtung Ravenna, Rimini, Ancona. Teutonen-Grill. Wir sind gespannt ob die Grusel-Geschichten stimmen. in der Ecke waren wir noch nie.

Komisch eigentlich: da fährt man Jahr und Tag nach Italien und südlich vom Po kennt man sich nimmer aus. (Südlich vom Po. Hihi, jaja, Italien.)

Nebenbei bemerkt: Baja Cavallino Camping Village dürfte Platz zwei der meistbesuchten Campingplätze des Busgetiers sein. Gleich nach dem Wimmer am Achensee. Wobei der Cavallino bei den meisten Übernachtungen mit Sicherheit einsame Spitze sein müsste. Wir recherchieren und berichten.