Südtirol – die fränkische Schweiz Italiens?

Südtirol – die fränkische Schweiz Italiens?

Irgendwie … man weiß gar nicht, wie man sagen soll … Aber irgendwie sind wir ein bisschen enttäuscht.

Es ist nicht so, dass es hier nicht schön wäre. Wirklich nicht. Ganz tolle Landschaft, großartige Berge, nette Seen und eine einmalige Mischung aus alpinem, schroffem Land und Leute und mediterranem Flair.

Talstation Mendelbahn mir Penegal und geschlossenem Panorama-Gasthof im Hintergrund

Aber irgendwie fehlt was. Was genau? Wir wissen es nicht? Stichwort „Erwartungsmanagement“. „Fahrt nach Südtirol, da ist es schön.“ Sagen irgendwie alle. Ist es auch. Aber die Erwartung ist dann vielleicht derart übersteuert, dass man nur enttäuscht werden kann.

Südtirol. Ist es nicht da, wohin die ersten Touristen in den 60ern des vergangenen Jahrhunderts hin aufgebrochen sind? Dolce Vita und so. Und die haben ihre Kinder und Kindeskinder sozialisiert. Man kann auch wirklich viel tun hier. Aber ein wenig angestaubt ist es schon. So wirklich was machen müssen die hier nicht. Ne Flasche Wein an den Straßenrand, zwei Gläser dazu und die Leute kommen schon von alleine. Wie in der fränkischen. Auch von Generation zu Generation weitergegeben.

Und einen ganz entscheidenden Wettbewerbsvorteil hat man hier auch noch: man versteht und spricht deutsch. Ein Pfund im Tourismus.

Zugegeben: heute Kalterer See und Tramin, gestern Mendelpass und Penegal (geschlossen!), davor Meran. Da ist noch viel mehr! Ein abschließendes Urteil würden wir uns nicht erlauben. Zumal wir, wie gesagt, in einer richtig blöden Zwischenzeit unterwegs sind – nach der Ski- und vor der Sommer-Saison. Trotzdem catcht es uns bisher nicht voll.

Blick vom Mendelpass

Das Wetter ist auf jeden Fall sensationell. 23° und Sonne satt. Darf es Ende April aber auch schon mal haben. Mal schauen, wie wir morgen auf der Plose frieren. Übermorgen Brixen. Mal schauen, was da noch kommt.

Bienvenutti al Merano

Bienvenutti al Merano

Oder einfach servus miteinander.

Meran – zweitgrößte Stadt in Südtirol. Und wenn man genau hinschaut könnte man den Eindruck gewinnen, das Nest hätte die besten Zeiten hinter sich. Sissi-Charme und so. Oder wir hängen grad irgendwie komisch zwischen den Saisons. Nicht mehr Winter, noch nicht Sommer.

Schön gewandert, gut gegessen und getrunken ….  Ein toller Start. Wetter passt auch. Morgen Richtung Kaltern. Oder so. Wie gesagt: zwischen den Saisons. Relativ leer also (oder direkt einfach zu). Kann also auch gut sein, dass das Busgetier seine Kernkompetenz – Spontanität – wieder für sich entdeckt und einfach mal laufen lässt. Wäre wünschenswert. Den aktuellen Camping-Trend trotzend.

„Sitting in the mornin‘ sun …

„Sitting in the mornin‘ sun …

… sitting, ‚till the evening comes.“

Nein, ganz so faul wie Otis sind wir nicht. Wir sitzen ja auch nicht am „Dock of the bay“  sondern in Lermoos im Schatten der Zugspitze. Oder, eigentlich ja nicht im Schatten sondern eben im der Sonne.

Gestern Brenner, Fernpass, Schnitzel, Bier, Schnaps und Kaiserschmarrn. Volles Programm.

Nachts noch mit dem Hirsch um die Wette geröhrt und gerade eben in Gesellschaft unseres neuen Bustieres (nicht Haustiers) gefrühstückt.

Jetzt letzte Etappe nach Hause. Das Navi sagt, durch München. Ob es weiß, dass grad Oktoberfest ist und gestern der hiesige FC ein Heimspiel hatte? Wir wissen es. Drum wahrscheinlich die Alternativ-Route über die Bundesstraße. Lieber länger fahren als länger stehen.

Resümee zum ersten wirklichen Urlaub mit reduzierter Stamm-Besatzung: gelungen. Erstaunlich gut sogar. Könnte man wieder machen. Im Grunde machen wir nichts anderes als sonst auch. Gutes Zeichen. Und trotzdem: Mia, du fehlst in jedem Moment.

Madonna der Gastfreundschaft

Madonna der Gastfreundschaft

Eigentlich eine nette Idee, die Schutzpatronin des Tourismus oberhalb einer so sehr von den Besuchern abhängigen Gemeinde aufzustellen.

Ein recht steiler und beschwerlicher Fußweg führt vom Zentrum von Malcesine hoch zur Statue, deren Aussichtspunkt mit einem tollen Panorama jeden Höhenmeter belohnt.

Lager wieder mal in Limone am gegenüberliegenden Ufer aufgeschlagen. Altbekannt und -bewährt.

Ein würdiger Abgesang zum Ende des Trips hin.

Noch eine Nacht auf den Weg in heimatliche Gefilde in Österreich und dann war’s das auch schon.

Wilde Schweine und besondere Pilze

Wilde Schweine und besondere Pilze

Die Toskana-Metropole Florenz. Kunst, Kultur und allerhand los in der Küche.

Aber eins nach dem anderen:

Elba aufgrund der Wetterprognosen fast schon fluchtartig verlassen – wie sich herausstellte zu unrecht. Optionen geprüft und Florenz als beste Lösung unseres Wetter-Problems identifiziert und eingecheckt. (Side-fact: auf Wetter-Apps ist auch kein Verlass mehr: Unwetter-Warnstufe vier mit Starkregen auf den Weg von Piombino nach Florenz. Effektiv auf der Strecke genau null Regen.)

Überraschenderweise war es auch in Florenz völlig überlaufen – aber wirklich voll nur auf den Campingplätzen. Aus der Not einen Recht abgelegenen Platz angefahren. Hat Potential. Mehr nicht. Im Grunde super gelegen, am Hang, im Wald, grandiose Aussicht auf die Stadt (siehe Beitragsfoto) sich die Leitung und der Zustand bedenklich.

Dann Florenz selbst: aus vorheriger Erfahrung eine weitere alte stinkende italienische Großstadt, die in erster Linie als Museum vor sich hin existierende erwartet – und nicht wirklich enttäuscht worden. Okay. Nach fast zehn Jahren sieht man manches anders, manches hat sich auch verändert und wieder anders bleibt einfach gleich. Die Interessen verschieben sich. Für einen Tag okay – vielleicht muss man im Winter nochmal herkommen und sich gezielt Kunst und Kultur vorknöpfen.

Aber kulinarisch … Es duftet in der ganzen Stadt nach Trüffeln. Lecker finden die einen, die anderen schüttelt es vor Ekel. Aber beim Wein sind sich dann wieder alle einig. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, aus dem Wein-Fenster.

In Summe aber ein gelungener Aufenthalt. Nette Leute kennengelernt (Hallo Lisa und Mark!), eine Stadt wieder mit anderen Augen gesehen und viel erlebt.

Auf nach Norden. Gardasee nochmal. Diesmal West-Ufer. Flucht vor dem Wetter. Mal schauen, ob die Apps diesmal besser liegen.

Nachspielzeit

Nachspielzeit

Oft werden Spiele erst in den letzten Minuten oder Sekunden entschieden. Wenn dieses ungeschriebene Gesetz auch für Jahreszeiten gelten würde, dann hätte dieser Sommer für uns in seinen letzten Zügen das Ruder nochmal komplett rumgerissen:

Seit einer Woche Sonne satt, Temperaturen, vor denen man im Hochsommer fast schon fliehen würde, das Meer ruhig und klar … Wie man sich einen entspannten Urlaub vorstellt.

Und durchaus abwechslungsreich: am See, Dolce Vita, auf der Insel erst ein kleiner aber herzlicher Platz zwischen zwei kleinen Buchten, perfekt zum schnorcheln, kleines Restaurant chillige Bar. Dann ein richtig großes Familien-Camp – glücklicherweise ohne Kinder und deren aufgedrehten Eltern – mit Pool und die Umgebung italienisch-touristisch erschlossen. Jetzt ein wirklich kleiner Platz mit rudimentärer Ausstattung aber alles was man braucht, und halt perfekt an der Steilküste gelegen. Schmiegt sich an den Felsen über der Bucht an, man steht schattig im Eukalyptus-Wald und genießt das Rauschen des Meeres …

Mal schauen, wenn der Urlaub in die zweite Hälfte geht. Es gab auch schon Spiele, die haben es in der zweiten Halbzeit derart verkackt …