Durchsuchen nach
Kategorie: Allgemein

Latvian nights

Latvian nights

Gestern bissl überstürzt aus Riga geflohen … unbegründete Eile. Im Supermarkt mit Proviant für ein paar Tage eingedeckt und mit ein wenig Glück und auf Empfehlung einen wirklich tollen Platz an der Küste gefunden.

Ein Platz wie er sein sollte: unkompliziert, schön gelegen, bietet was man braucht, sauber und vor allem: ruhig. In der Natur ist Ruhe irgendwie oberstes Gebot, dass inzwischen aber von nicht mehr allen geachtet wird.

Zwei Tage Sonne, Meer, Ruhe, eine leichte Brise, keine Termine und leicht einen sitzen.

Außerdem haben wir die weiteren Tage grob geplant. Morgen geht’s weiter Richtung Estland, mit Ziel Tallinn.

Mal schauen, die Letten sind ja die Netten, die Esten sind die Besten.

‘tschuldigung für doofe Wortspiele. Es kann halt doch keiner aus seiner Haut.

Riga – wo Balten sich entfalten*

Riga – wo Balten sich entfalten*

Die Hauptstadt Lettlands und Metropole des Baltikums. Sicher ein Schmelztiegel der Region. Bestimmt wahnsinnig wichtig, innovativ, kreativ und hipp. Immerhin leben ein Drittel aller Letten hier.

Naja, wenn man es nicht besser wüsste, dann würde man es nicht für eine Hauptstadt halten. So ruhig, so unaufgeregt, so cool … ruht in sich. Im Grunde sympathisch. Ein Spiegelbild des Landes bisher. Kriegt den Spagat und den Wandel vom sowjetischen Erbe, hin zur westlichen Öffnung irgendwie doch ganz gut hin.

Nette Altstadt, lauter alte Häuser. Mehr Jugendstil als sonst was. Dafür ist es bekannt. Dem Architektur-Fetischisten mag das Herz aufgehen. Uns irgendwie nicht.

Trotzdem: schön zum flanieren, viel zu entdecken und ganz viel östliches Flair.

Was uns aufgefallen ist: Eintritt in Kirchen. Als wären es Museen. Fünf Euro für den Dom, neun (9!) für eine andere große, irgendwie wichtige und wahnsinnig einzigartige Kirche und nochmal fünf Euro um auf den Turm selbiger zu steigen. Okay, kann man machen. Als jemand, der sich der entsprechenden Glaubensrichtung nicht zugehörig fühlt mag das eigentlich okay sein. Fair enough. Aber wenn jemand schon Mitglied im Club ist, seinen Beitrag bereits bezahlt hat, über die Steuer oder den Klingelbeutel, egal, das würde mich ärgern. Wundern dürfen die sich aus unserer Sicht nicht, wenn ihnen die Mitgliederzahlen in den Keller gehen. Ganz mieses Marketing. Aber vielleicht dauert das ein wenig, bis es in der Führungsetage ankommen ist. Hat ja fast 2000 Jahre gut anders funktioniert.

* okay, auf den Spruch bin ich jetzt nicht selber gekommen. Uns passt auch nicht besonders, weil Riga jetzt auch nicht wirklich hipp ist im Vergleich zu anderen Metropolen. Aber es hat sich halt so schön gereimt. Und was sich reimt ist gut. Weiß man ja. 😉

Aller Anfang ist schwer

Aller Anfang ist schwer

Also bisher… naja, sagen wir so: es ist noch Luft nach oben. Deutlich.

Lettland ist schön. Soviel kann man sagen. Bisher haben wir die Ecke nördlich von Liepaja bis zum Kap Kolka gesehen und die Straße von dort bis nach Jurmala befahren. Alles schön – aber nichts, was die vergleichsweise lange Anfahrt rechtfertigen würde.

Das Land ist sehr dünn besiedelt. Das mögen wir, bedeutet aber auch eine dünnere Infrastruktur. Campingplätze gibt es überall – das Wort „naturnah“ scheint ein Synonym für Plumsklo zu sein.

Die Letten scheinen nett zu sein. Zumindest die, mit denen man ins Gespräch kommt. Is halt kulturell vielleicht ein anderer Schlag. Englisch kein Problem, oft sogar deutsch. Man merkt die Verbindung. Die deutsche Besatzung scheint anders in Erinnerung geblieben zu sein wie die sowjetische. Ist auch länger her.

Die Preise im Supermarkt und Restaurant sind auf mitteleuropäischen Niveau. Regionale Unterschiede möglich. Wir fragen uns wie das gehen kann und ob sich auch dieses Land wirklich einen Gefallen getan hat, mit dem Euro. Zweifel sind angebracht. Denn wir sind uns sicher, dass das Einkommensniveau nicht dem mitteleuropas entspricht.

Straßen? Ja, gibt es. Keine Autobahnen und außer in der Nähe von Liepaja und Riga auch nix mit mehr als einer Spur pro Richtung. Insgesamt kommt man gut voran. Der letzte Kilometer ist manchmal aber auch eine recht derbe Schotterpiste. Die Letten scheuchen ihre Gefährte da nur so drüber, und ist der Karl zu schade.

Es wird sehr spät und sehr langsam dunkel. 22 Uhr, taghell und bis 23 Uhr Dämmerung. Man merkt den Norden.

Das sind die Eindrücke der ersten zwei Tage. Keine beeindruckend guten aber auch keine schlechten.

Wir sind gespannt auf mehr!

Morgen steuern wir Riga an, die Hauptstadt und Metropole des Landes. Immerhin mehr als ein Drittel der nur knapp zwei Millionen Letten leben hier.

In der Region um Riga scheint es in den letzten Tagen übrigens richtig abgegangen zu sein. Manche Medien berichten von knapp 200l/qm Regen. Wir haben wir viele, also richtig viele umgestürzte und entwurzelte Bäume gesehen. Einige Straßen sind immernoch überflutet und die Aufräumarbeiten dauern an. Wir sind keinen Tag zu früh dran.

Das Beitragsbild zeigt übrigens unseren Platz gestern. So war Camping noch zur Kindheit der älteren Busgetiere: Wiese, Klo (mit Wasser!), Duschen, hier und da Strom und gut. In dem Fall keine hundert Meter zum Strand. Von sowas hätten wir gerne mehr!

Hohe See – oh je oh je

Hohe See – oh je oh je

Also, Fähren und das Busgetier, das werden keine Freunde mehr. Blöd halt, dass viele Ziele eben nur auf dem Seeweg im Verhältnis bequem erreichbar sind.

Alles in allem zwar eine gute Überfahrt bisher (eine gute Stunde steht uns noch bevor) aber so richtig angenehm ist anders.

Beengter Raum, zu viel Zeit und ständig a bissl flau im Magen. Das schlägt auf die Stimmung.

Das Beitrags-Bild zeigt die Hafen-Ausfahrt in Travemünde. Da war die Welt noch okay.

Immerhin ist die Kabine okay. Ein echter Luxus. Es gibt Passagiere, die verbringen 22 Stunden Überfahrt auf öffentlichen Sitzen, in Sitzecken, auf den Gängen oder sogar an Deck – über Nacht! Nichts für uns.

Aber jetzt: Land in Sicht! Baltische Gefilde warten auf uns. Wir sind gespannt und freuen uns.

Karlo aua – Karlo Pflaster

Karlo aua – Karlo Pflaster

Irgendwo auf der Autobahn zwischen Stralsund und Lübeck: Verkleidung der A-Säule flattert im Wind.

Beifahrerin greift beherzt aus dem Fenster, krallt sich bei 110km/h im Kunststoff fest und hält die nächsten fünf Kilometer bis zur nächsten Ausfahrt den hinfälligen Bus alleine mit Muskelkraft zusammen.

Ernsthaft: bei der Montage der neuen Scheibe waren wohl einige Klipps nicht ganz fest. Nach 20 Minuten Fummeln – und zur Sicherheit mit ca. zwei Meter Tape – konnte die Fahrt ohne weitere Vorkommnisse fortgesetzt werden.

Sind sicher in Travemünde angekommen. Morgen Nachmittag geht die Fähre.

Alles gut. Sind bloß gespannt, wie sich dem Karl sein Verband bei Regen hält und ob er überhaupt nötig ist. Karl neigt ja schon immer ein wenig zur Theatralik und im Alter plagen einen halt auch kleine Zipperlein.